Wider die Anonymität in Social Media!

Anonyme Kommentare

Zeitungen veröffentlichen anonyme Kommentare oder Leserbriefe seit jeher nicht. Anonyme Kommentare in Blogs oder unter Presseartikel sind dagegen üblich. Der Fall des unter Pseudonym(en) im Blog von Stefan Niggemeier schreibenden Verlegers Konstantin Neven DuMont ist das derzeit prominenteste Beispiel für diese Praxis. „Wie anonym muss das Netz sein?“ fragt daraufhin Robert Basic in der Welt-Kompakt (Online-Version). Und gibt keine Antwort. Vor einiger Zeit wurde in diesem Blog sehr offen darüber diskutiert, dass die Nutzung von Social Media bald so selbstverständlich sein sollte wie das Telefonieren. Aber telefonieren wir anonym? Nein! In der Regel nennen wir unseren Namen und übertragen auch noch unsere Telefonnummer. Werbeanrufe mit Rufnummernunterdrückung sind mittlerweile sogar verboten.

Offener Dialog ist Markenkern von Social Media

Wenn also die Nutzung von Social Media dem Telefonieren immer ähnlicher wird, dann brauchen wir als Standard (Ausnahmen im Sinne des Schutzes von Verfolgten oder Minderheiten wird es weiter geben müssen) eigentlich keine anonymen Kommentare und Beiträge im Netz mehr. Der offene Dialog gehört schließlich zum Markenkern von Social Media. Außerdem steigert die Kommunikation mit Klarnamen die Qualität von Diskussionen im Internet und erhöht damit den Mehrwert für die Nutzer. Nicht umsonst verlegen Medien die Diskussion von ihren Websites und Blogs auf Facebook. Dort ist der Identitätsschwindel unter den Diskutanten nicht so ausgeprägt wie in Blogs oder Foren.

Kein Platz für anonyme Kommentare und Trolle

Für anonyme Kommentare und getürkte Identitäten sollte mittel- bis langfristig kein Platz mehr in den sozialen Netzwerken sein. Aggressive Trolle sollten sich nicht länger dahinter verstecken können. Wir sind im Zeitalter der digitalen Aufklärung angekommen. Wir teilen Wissen (z.B. Wikis), wir fordern von der Politik Klarheit und Wahrheit (z.B. bei Stuttgart 21), wir fordern Mitbestimmung (z.B. über mehr Volksentscheide). Mit geschlossenen Visieren funzt das aber nicht. Und letztlich zeigt auch der Fall Niggemeier bzw. DuMont, dass es absolute Anonymität im Netz ohnehin kaum gibt.

Foto: By Vincent Diamante [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

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