1. Preis für „The Voice of Germany“ im Social TV

Die Castingshow „The Voice of Germany“ (TVOG) von ProSiebenSat.1 Media wurde am vergangenen Dienstag, 5. März, als bestes crossmediales Programmformat TV ausgezeichnet. Da ich mich seit langem mit crossmedialen Innovationen befasse, freute ich mich über die Einladung nach Bremen zur Verleihung des von Radio Bremen und der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema) ausgeschriebenen Preises. Von der 5-köpfigen Jury wurden die seit 2011 existierenden Second-Screen-Angebote der Show gewürdigt, die wir mittlerweile auch von anderen Formaten wie „Wetten, dass..?“ im ZDF kennen. Moderne Medienhäuser und Sender reagieren damit auf die geänderte Mediennutzung ihrer Zielgruppen. Mich interessierte das Besondere an dieser frühen Variante des Social TV in Deutschland. Ihre technischen Kernelemente bestehen aus der TV-Show, einer Website sowie einer App und Social-Media Accounts, die ich mir nachfolgend etwas genauer angesehen habe. Übrigens: Um an den Erfolg der ersten beiden Staffeln (durchschnittlich über 4 Mio. Zuschauer) anzuknüpfen, startet Sat.1 am 5. April „The Voice Kids“ für die Zielgruppe der 8- bis 14-Jährigen.

1. Die TVOG-Fernsehshow

Die Ausstrahlung der Castingshow „The Voice of Germany“ erstreckt sich auf ca. acht Wochen. In einer Vorrunde (Blind Auditions) präsentieren sich rund 150 Sängerinnen und Sänger. Eine 5-köpfige Jury entscheidet, wer gut genug singt, um in die nächste Runde (Battle Round) zu gelangen. In den ersten beiden Staffeln gehörten Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey sowie Alec Völkel und Sascha Vollmer von der Band The BossHoss zur Jury. Die auserwählten Kandidaten suchen sich anschließend ein Jurymitglied als Coach aus, das je ein Kandidatenteam für die zweite Runde trainiert.

tvog_tv
© Foto: Screenshot/Videoshot the-voice-of-germany.de

In der Battle Round von The Voice of Germany singen je zwei Kandidaten eines Coachs im Duett. Ihr Coach entscheidet anschließend, wer von den beiden in die dritte Runde (Live Shows) kommt. Über das Weiterkommen ins Finale entscheiden dann die Coaches und die Zuschauer. Im Finale entscheiden schließlich nur die Zuschauer über den Sieger.

Crossmedia-Element: TV-Verweise auf Online-Angebote

Als klassisches Crossmedia-Element werden während der TV-Show Hinweise auf Partizipationsmöglichkeiten im Web eingeblendet oder per Moderator darauf verwiesen. Dazu gehören sowohl die Website als auch die ProSieben Connect App.

2. Die TVOG-Website

Die eigens für die Show The Voice of Germany entwickelte Website dient – wie auch die ProSieben Connect App – dazu, „das Fernseherlebnis konsequent in die Online-Welt zu verlängern“, wie Prof. Egbert van Wyngaarden von der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) während der Preisverleihung in seiner Laudatio erklärte. Auch zwischen den Staffeln bleibt die Website aktuelle Informationsplattform für die Zielgruppen. Kurz vor und während der Staffeln können sich die Nutzer mit Hilfe der Website einbringen und zum Beispiel an einem Gewinnspiel teilnehmen:

tvog_website
© Foto: Screenshot the-voice-of-germany.de

Crossmedia-Element: Gewinnspiel als Wette auf die nächste Runde

So startet ProSiebenSat.1 noch vor Beginn einer TV-Staffel auf der TVOG-Website die Aktion Join The Team. Dabei können Nutzer in die Rolle eines der vier Coaches schlüpfen und vorgestellte Blind Auditions der Kandidaten anhören. Daraus stellen die Nutzer eigene (Favoriten-) Teams zusammen. Je mehr Übereinstimmungen es später mit den realen Teams gibt, um so mehr Punkte können Nutzer erzielen. Unter denen mit den meisten Punktzahlen wurden zuletzt Reisen zur Show The Voice of Germany nach Berlin verlost.

 3. Die TVOG- / ProSieben Connect App

Die größte crossmediale Innovationstiefe hat das System Prosieben Connect (auch The Voice of Germany Connect), die den Fernseher mit dem Second Screen verbindet – und mehr Informationen bietet als in der TV-Show: Nutzer können via Smartphone, Tablet oder PC auf die Website gehen und sich dort mit dem Button „Check-in“ im Connect-System anmelden (via Facebook). Wer lieber die ProSieben Connect App verwendet, kann sich den Umweg über den Browser sparen.

tvog_connect
The Voice of Germany Connect. © Foto: Screenshot the-voice-of-germany.de

Crossmedia-Element: Partipitation via Socialtalk und Sideshows

Auf jeden Fall finden Nutzer in diesem System unter anderem einen „Socialtalk“, über den sie sich mit anderen (z.B. den eigenen Facebook-Freunden oder via Hashtag #tvog mit Twitter-Followern) über die laufende Sendung von The Voice of Germany austauschen können. In der „Sideshow“ finden sie Videoclips aus der laufenden Sendung, Backstage-Videos oder Links auf Informationen zur aktuellen Sendung auf der ProSieben-Website. Für ausgewählte Formate wird außerdem ein Livestream angeboten. Zudem kann man via ProSieben Connect immer wieder an Gewinnspielen teilnehmen.

tvog_app
ProSieben Connect App. © Foto: Screenshot Google Play / ProSieben Connect

Crossmedia-Element: Verweise auf TV in den Social-Media-Accounts

Um ProSieben Connect nutzen zu können, benötigen die Nutzer Facebook-Accounts. Aber auch die Castingshow „The Voice of Germany“ hat eine eigene Facebook-Fanpage. Zudem twittern die Macher über den Account @TheVoiceGermany während der Staffel. Auf beiden Plattformen findet man wieder Verweise auf die TV-Show. Zudem sind sie im Sinne einer echten crossmedialen Strategie in das System ProSieben Connect integriert. Diese Konstellation bezieht sich auf Deutschland. In den anderen 39 Ländern, in denen das von John de Mol (Endemol) entwickelte Format mittlerweile ebenfalls lizenziert ist, unterscheiden sich die Social-Media-Elemente etwas.

Fazit zu The Voice of Germany

Social TV bzw. die synchrone und mobile Nutzung von Fernsehen und Internet u.a. mittels Second-Screen-Angeboten trug in den vergangenen Jahren wesentlich zur Erhöhung des durchschnittlichen täglichen Medienkonsums in Deutschland bei. Er stieg seit 2002 um ein Sechstel auf 585 Minuten bzw. 9,75 Stunden. 205 Minuten (3,42 Std.) davon verbringen Menschen hierzulande vor dem Fernseher und 107 Minuten (1,78 Std.) im Internet. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Navigator Mediennutzung“ von SevenOne Media. Wer also auch in Zukunft junge Menschen erreichen will, kommt um attraktive Content-Angebote mit deutlichem Mehrwert auf dem Second Screen nicht herum. Das verdeutlich das Beispiel von The Voice of Germany auf beeindruckende Weise.

Fotos/Screenshots: ProSiebenSat.1 Media AG

P.S.: Neben dem Crossmedia-Preis in der Kategorie TV wurde am 5. März in Bremen ein Preis in der Kategorie Hörfunk sowie ein Sonderpreis der Jury vergeben. Diese beiden crossmedialen Programminnovationen werde ich zu einem späteren Zeitpunkt hier vorstellen.

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.