SPIEGEL Zeitungsdebatte – Ein Beitrag zur Diskussion

Spiegel Zeitungsdebatte

Aufgeschreckt durch den Verkauf traditionsreicher Print-Titel, mit dem die Axel Springer AG ihren Digitalisierungskurs konsequent fortsetzt, bricht der Spiegel jetzt eine Debatte über die Zukunft der Zeitungen los. Mit Blick auf die Entwicklungen des US-Zeitungsmarktes der vergangenen Jahre hatte ich bereits 2012 eine ausführliche Bestandsaufnahme zur Zukunft der Zeitung vorgenommen. Als Beitrag zur aktuellen Spiegel Zeitungsdebatte greife ich hier noch einmal fünf wichtige Voraussetzungen für zukunftsfähige Geschäftsmodelle von Zeitungsverlagen heraus:

 1. Mehrwert durch Qualität

Nichts ist so alt wie die (gedruckte) Zeitung von heute, zumindest wenn man die Nachrichten betrachtet. Daher müssen Zeitungen der Zukunft ihren Lesern andere Mehrwerte bieten. Das sollten insbesondere durch gut ausgebildete Journalisten sorgfältig recherchierte Hintergrundberichte, echte Reportagen, Bewertungen, Kommentare, Streitgespräche zu regionalen, lokalen, hyperlokalen und Servic-Themen sein. Denn nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) lesen 85 Prozent der befragten Leser Zeitungen wegen der Berichte aus ihrer Umgebung. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon Helmut Markwort mahnte sein Focus-Team, immer an die Leser zu denken. Die konsequente Umsetzung dieser alten Weisheit wird in Zukunft jedoch unerlässlich sein für erfolgreiche Geschäftsmodelle.

2. Erlöse aus digitalem Content

Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass Zeitungsverlage viel zu lange die von ihren sehr gut ausgebildeten Journalisten erstellten Qualitätsprodukte im Web verschenkt haben. Erst allmählich ziehen sie die Reißleine und generieren wie die Axel Springer AG mit Freemium-Modellen wie BILDplus oder Metered-Modellen wie WELT Online kostenpflichtige Angebote. Erfolgreiche Geschäftsmodelle für Zeitungen der Zukunft werden nicht mehr ohne solche oder ähnliche Wertschöpfungsketten auf digitalen Plattformen auskommen.

3. Information und Partizipation

Zukunftsfähige Geschäftsmodelle von Zeitungsverlagen wird es ohnehin nicht ohne Web, ohne Mobile, ohne Social Media geben. Nur mit diesen technischen Möglichkeiten der Information und Partizipation können die Verlagshäuser multimediale Antworten auf die geänderte Mediennutzung ihrer Leser finden. Es gilt, die hochwertigen Produkte der Redakteure auf allen verfügbaren Ausspielkanälen zu publizieren. Dazu denken und handeln moderne Redaktionen in der Planung und Aufbereitung von Themen crossmedial. Und sie berücksichtigen im Wissen, dass sie nicht mehr die Deutungshoheit über die Realität besitzen, aufmerksam die Interessen ihrer Nutzer.

4. Online first und Print nicht täglich

Informationen müssen zuerst ins Netz, dann in die elektronischen Medien wie Radio und TV und schließlich – aufbereitet mit Hintergrundberichten etc. (siehe Punkt 1) in Printprodukte. Täglich erscheinende Zeitungen werden angesichts dieser Schwerpunktverlagerung immer unnötiger. So werden etliche gedruckte Tageszeitungen von einst und heute vermutlich in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft nur noch als gedruckte Wochenzeitungen mit rund um die Uhr aktuell gehaltenen Ausspielkanälen im Web, auf Smartphones und Tablets überleben.

5. Diversifizierung und Digitalisierung

Das Kerngeschäft von Zeitungsverlagen besteht darin, attraktiven Content zu generieren und über möglichst viele Ausspielkanäle zu monetarisieren. Zukunftsfähige Geschäftsmodelle gehen jedoch über journalistische Plattformen (Print und Digital) hinaus. Sie sehen zum Beispiel Beteiligungen an erfolgreichen digitalen Rubrikenportalen oder intelligenten Online-Marketing-Lösungen vor. Aber auch ältere Diversifizierungen im Veranstaltungsmanagement, in der Briefzustellung oder in Corporate-Publishing-Angeboten für Unternehmen gehören dazu.

Fazit zur Spiegel Zeitungsdebatte

In den nächsten drei Wochen sammelt der Spiegel Ideen der Leser dafür, wie die Zeitung von morgen aussehen und was guten Journalismus auch in Zukunft ausmachen wird. Auf die Ergebnisse der Spiegel Zeitungsdebatte darf man schon sehr gespannt sein!

Foto: Faust

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