Stoiber und der Transrapid

Dr. Edmund Stoiber war ein anspruchsvoller Chef, an den ich mich gerne erinnere. Ich schätzte an ihm seine Präzision, seine Gründlichkeit, seinen Blick fürs große Ganze, seine politischen Analysen, sein Netzwerk. Durch seine Medienpolitik hat er das duale System aus öffentlich-rechtlichen und privaten Medien mit etabliert und den Medienstandort Deutschland geprägt. Gewiss, Humor hatte er auch. Aber eine Parodie auf sich selbst wäre in seiner aktiven Zeit als Ministerpräsident (MP) und Parteivorsitzender (PV) nicht vorstellbar gewesen. Jetzt hat er sich in einem Video selbst aufs Korn genommen; genauer gesagt, seine legendäre Rede auf dem Neujahrs-Empfang seiner Partei in München Anfang 2002. Damals hielt er ein flammendes, aber leider völlig verunglücktes Plädoyer für den von Siemens und ThyssenKrupp entwickelten Transrapid.

Stoiber und der Transrapid für Ebeling

Anlass für die Persiflage über Stoiber und der Transrapid war die Verleihung des Horizont-Awards 2011 an den Vorsitzenden des Vorstands der ProSiebensat.1 Media AG (P7S1), Thomas Ebeling am 19. Januar dieses Jahres. Dieser wurde von der gleichnamigen Zeitschrift zum „Medienmann des Jahres“ gekürt. Anstelle einer Laudatio präsentierten die Veranstalter ein lustiges Kurzvideo mit Christoph Maria Herbst alias Bernd Stromberg und eben Edmund Stoiber. Dieser ist Vorsitzender des 2011 aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegründeten P7S1-Beirats, der das Unternehmen in wichtigen gesellschafts- und medienpolitischen Fragen berät und unterstützt.

Im Clip platzt Stromberg – nach einigen sehr unterhaltsamen und amüsanten Szenen in das unter anderem mit einer Europa-Fahne und einer Büste von Franz Josef Strauß ausgestattete P7S1-Büro von Edmund Stoiber. Dieser bemerkt den ungebetenen Gast nicht, weil er gerade intensiv seine Sekretärin Frau Schnappauf von den Vorteilen einer neuen Kaffee-Maschine zu überzeugen sucht. Hier der Wortlaut des „Verkaufsgesprächs“:

Frau Schnappauf, der Ebeling, der Herr Ebeling, der stellt allerhöchte Ansprüche an den Espresso, an seinen Espresso. Mit der Maschine, mit der Maschine können Sie, ohne dass Sie irgendwo noch einchecken müssen, können Sie in London, da können Sie in Rom, da können Sie in Frankreich, äh, da können Sie am Hauptbahnhof in zehn Minuten den elegantesten, den feinsten Espresso für den Ebeling machen.

Stromberg ist sprachlos und schließt am Ende die Türe wieder leise, um dann Ebeling am Ende des fast 6-minütigen Videos zu gratulieren – ebenso wie dann natürlich auch Dr. Edmund Stoiber. Die Szene mit Stoiber ist eine Anspielung darauf, dass Thomas Ebeling geradezu espressosüchtig ist. Es ist erfrischend, wie in diesem Film mit dem Thema Stoiber und der Transrapid gespielt wird. Der Clip ist einfach herrlich anzuschauen! Stoiber und der Transrapid wird so quasi ganz neu interpretiert.

Foto: Faust 

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