Sicherheitskonferenz muss in München bleiben

Sicherheitskonferenz

Wenn Horst Teltschik vom 08. bis 10. Februar 2008 das letzte Mal die Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik (SiKo) leitet, gilt der floskale Satz, dass eine Ära zu Ende geht. Der gebürtige Sudetendeutsche, der über Jahrzehnte zum engsten Beraterkreis des Einheitskanzlers Dr. Helmut Kohl gehörte, hat sich seit 1999 als Veranstalter der SiKo ohne jeden Zweifel um den Frieden und die Sicherheit in Europa und der Welt verdient gemacht.

Verleger Kleist gründete „Wehrkundetagung“

Die 1962 durch den Widerstandskämpfer und Verleger Ewald-Heinrich Hermann Konrad Oskar Ulrich Wolf Alfred von Kleist-Schmenzin zunächst als ”Wehrkundetagung” in München begründete Sicherheitskonferenz ist eine etablierte Kommunikationsplattform abseits exekutiver und damit diplomatischer Zwänge. Das liegt auch und gerade daran, dass sie nicht in der deutschen Hauptstadt stattfindet, sondern in München. Die Bayerische Staatsregierung steht dem Themenkomplex “Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik” traditionell aufgeschlossen und kompetent gegenüber. Nur in solch einem Umfeld konnte sich die SiKo derart international etablieren.

Münchner Sicherheitskonferenz etabliert

Die Münchner Sicherheitskonferenz  (Munich Security Conference) hat unter Horst Teltschik bei den politischen Strippenziehern in Ost und West sowie in Nord und Süd einen hohen Stellenwert erlangt. Auf der Sicherheitskonferenz im Hotel Bayerischer Hof in München kann man nicht nur Politik für die (eigene und die “gegnerische”) Öffentlichkeit zelebrieren, sondern vor allem Politik hinter den Kulissen und abseits protokollarischer Korsetts gestalten (vgl. Foto). Diese duale Charakteristik gepaart mit einer Persönlichkeit wie Horst Teltschik hat die Münchner Sicherheitskonferenz zu dem gemacht, was sie heute ist.

Begehrlichkeiten aus Berlin

Dass der in Bayern aufgewachsene Teltschik nun die Rolle des Veranstalters abgeben wird, weckt Begehrlichkeiten in Berlin. Diese sind freilich nicht neu. Spätestens als man in der Bundesregierung 2003 überlegte, ob man dem Kohl-Vertrauten die SiKo nicht deshalb entziehen müsse, weil dieser das Amt des Präsidenten von Boeing Deutschland angenommen hatte, gab es entsprechende Denkmodelle.

Aber die SiKo verlöre ihren inoffiziellen, teilweise provinziellen Charme, wenn sie unter die Fittiche der Hauptstadt gezwungen würde. In Berlin ist angesichts der höheren Mediendichte, angesichts des politischeren Umfeldes, der fehlenden räumlichen Distanz zur Bundesexekutive und zur Bundeslegislative die Versuchung ungleich größer, das Gleichgewicht zwischen öffentlichen Äußerungen und Off-the-Records-Gesprächen hochrangiger Delegationen ins Wanken zu bringen. Ergebnis-orientierte Kommunikation würde dann ins Hintertreffen geraten. Das würde auf Dauer den Sinn der SiKo aushebeln.

Nachfolger mit Netzwerk und Sachverstand gesucht

Vor diesem Hintergrund sollte Berlin die Finger von der SiKo lassen und die neue Bayerische Staatsregierung sollte engagiert für den Verbleib der SiKo in München eintreten. Entscheidend ist auch, wie die Nachfolgefrage geklärt wird. Die SiKo braucht wieder einen Veranstalter mit ausgezeichnetem Netzwerk, mit ausgeprägtem außen-, sicherheits- und verteidigungspolitischem Sachverstand, mit innerer Größe sowie mit innerer und äußerer Freiheit und Unabhängigkeit.

Foto: Faust

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