Sarajevo: Bilder einer zerstörten Stadt

Am heutigen* Mittwoch flogen wir von der kroatischen Hafenstadt Trogir, wo der Stab des deutschen IFOR-Kontingents GECONIFOR (L) stationiert ist, nach Sarajevo in die Hauptstadt der Föderation Bosnien und Herzegowina. Dort trafen wir mit Mister Rühe zusammen. Im Anschluss an eine internationale Pressekonferenz wurden wir mit einem Bus der Bundeswehr durch Sarajevo gefahren. Neben mir saß der geschätzte Kollege und Sicherheitsexperte Karl Feldmeyer von der FAZ. Der Anblick der zerschossenen und zerstörten Fassaden war und ist beklemmend. Während des Bosnienkrieges war die Stadt in einen bosniakisch-kroatischen und einen serbischen Teil geteilt. Das Zentrum wurde 1.425 Tage lang von den Truppen der bosnisch-serbischen Armee eingekesselt. Die Belagerung begann am 5. April 1992 und kostete etwa 11.000 Menschen das Leben (darunter über 600 Kinder), über 50.000 Einwohner wurden verletzt. Erst vor einem halben Jahr, am 29. Februar 1996, endete die Belagerung.

Die Fotos der obigen Bildergalerie zeigen unter anderem ein Hochhaus auf dem Socijalno-Areal, unweit der staatlichen Elektrizitätswerke Elektroprivreda (1), das zerstörte Medienzentrum (2), die katholische Dreifaltigkeitskirche (Holy Trinity Church) in Sarajevo, die beiden UNIS-Zwillingstürme, 1986 vom bosnischen Architekten Ivan Straus erbaut (4), die wieder fahrende Straßenbahn (5) sowie das weitgehend verschonte (wg. Zahlung von Schutzgeldern) Hotel Holiday Inn, das 1984 anlässlich der Olympischen Winterspiele eröffnet worden war und während des Krieges Reporter aus aller Welt beherbergte (7). Holiday Inn und die UNIS Tower liegen an der berüchtigten „Snipers-Alley“, der Hauptverkehrsstraße Ulica Zmaja od Bosne.

Sarajevo und die Frage nach der Effektivität

Diese Bilder sowie die weiteren Eindrücke meiner Reise durch das ehemalige Jugoslawien und natürlich die gesamte Berichterstattung seit Beginn des Jugoslawienkrieges hatten mich dazu bewogen, über die Effektivität und Effizienz des Systems kollektiver Sicherheit der Vereinten Nationen zu promovieren. Dabei entwickelte ich auch ein System effektiver Sicherheit.

Fotos: Faust

Hier geht es weiter zum Truppenbesuch von Minister Rühe

 

*Dieser Eintrag wurde nachträglich im August 2014 hinzugefügt.

5 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.