Optimierungsbedarf beim #mediacoffee

Die nach Angaben des Veranstalters rund 300 Pressesprecher, PR-Fachleute und Journalisten, die am gestrigen Montag in München am #mediacoffee der dpa-Tochter @newsaktuell teilnahmen, sind hinsichtlich Social Media zurückhaltend. Nur eine kleine Minderheit unter ihnen twittert, die Wenigsten haben ein iPhone und  kaum einer will sich ein iPad kaufen. Das ergaben entsprechende Blitzumfragen. Die neuen Möglichkeiten der sozialen Medien und die sie unterstützenden Technologien werden von dieser Ziel- bzw. Interessengruppe augenscheinlich weiter aus der Distanz beobachtet. So passte es ins Bild, dass sich etliche von ihnen ab einem bestimmten Zeitpunkt eher von Kommentaren auf der Twitterwall erheitern statt von der Diskussion auf dem Podium befruchten ließen.

Kommunikation 2020?

Daraus kann man Ihnen aber keinen Vorwurf machen, denn das Zuhören bis zum Schluss wurde ihnen nicht leicht gemacht. Eine klare Struktur von Themenblöcken, ein roter Faden, der von Beginn an das Thema „Kommunikation 2020“ vor Augen hatte, ein Bemühen um kurze Fragen und Antworten waren nicht in der notwendigen Ausprägung vorhanden.  So glich die Veranstaltung über lange Strecken einem Kamingespräch zwischen fünf ohne Zweifel sehr renommierten und versierten Experten, die über alle möglichen Facetten der Online-Kommunikation fachsimpelten. Dazu gehörte Jochen Wegner, Chefredakteur von FOCUS Online, Prof. Peter Wippermann, Trendbüro / Gründer  und Gesellschafter, Moderator Klaus Eck von Eck Kommunikation, Terry von Bibra, Geschäftsführer EMEA von Yahoo! Deutschland, sowie Helmut Frhr. von Fircks, Geschäftsführer der F+H Public Relations GmbH.

Gegen solch eine Form der Darbietung von Information, die den Zuschauer in weitgehende Passivität versetzt, wäre nichts einzuwenden gewesen. Man kennt solche Formate aus dem Fernsehen. Doch der Veranstalter hatte im Vorfeld die Erwartung geschürt, dass das Podium Antworten auf die Frage (strukturiert) erarbeiten würde, ob wir uns im Aufbruch zu einem neuen Informationszeitalter befänden. Darüber hinaus konnte man erwarten, dass die Zuhörer in den Arbeitsprozess eingebunden würden, denn Interaktion via Twitter & Co. war ausdrücklich erwünscht. So diskutierte man über weite Strecken am Interesse vieler Zuhörer vorbei, verdonnerte sie zur Untätigkeit, wo sie doch von einer gewissen Mitwirkung ausgehen durften, und musste anschwellenden Unmut via Twitter zur Kenntnis nehmen. Gegen Ende erzielten witzige Kommentare auf der Twitterwall mehr Aufmerksamkeit als das Podium, von dem sich die Blicke der Zuhörer abwandten.

Twitterwall im Rücken

Zu dieser Entwicklung trugen auch Defizite in der technischen Ausstattung bei. So erfreut eine Twitterwall zwar die Follower im Raum und an den Bildschirmen. Ist sie aber ausschließlich im Rücken des Moderators und seiner Diskutanten angebracht, verliert sie in dieser Konstellation absolut ihren Sinn. Denn sie ist auch dazu gedacht, Interaktionen zwischen Podium und Auditorium (real und virtuell) zuzulassen. Monitore vor den Füßen oder auf den Tischen der Podiumsteilnehmer, auf denen die Twitterwall ebenfalls zu sehen gewesen wäre, hätte den Moderator in die Lage versetzt, frühzeitig Unmut zu erkennen und nicht erst verspätet auf Hinweise der Diskussionsteilnehmer bzw. auf Zurufe aus dem Publikum reagieren zu müssen. Außerdem hätte man auf diese Weise Fragen und Anregungen aufgreifen können, die via Twitter kommuniziert wurden. So wäre Interaktion entstanden.

Trotz der notwendigen Kritik war die Veranstaltung interessant. Eine Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse des #mediacoffee in München liefert der Veranstalter auf seiner Website ebenso wie in einem Videobeitrag. In Köln und Berlin, wo die Reihe im September fortgesetzt werden wird, werden die Dinge ganz sicher optimaler verlaufen. Ob es am Ende tatsächlich eine verbindliche Antwort auf die Frage geben wird, wie Kommunikation in zehn Jahren funktioniert, dürfte dagegen eher unwahrscheinlich sein.

Foto: obs/news aktuell GmbH

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