Mit Kommunikation aus der Krise

Messen werden von Journalisten als bevorzugte Plattform für Recherchen genutzt. Präsentieren sich dort auch noch in Krisen geratene Unternehmen, schnellt das Medieninteresse in die Höhe. Ich erzähle das, weil mir kürzlich die Redakteurin einer Nachrichtenagentur sagte, dass sie wegen der aktuellen Probleme bei Airbus und Boeing gespannt der bevorstehenden Air Show im britischen Farnborough (17.-23. Juli) entgegen blicke.

Zur Erinnerung: Airbus machte Schlagzeilen durch Verzögerungen bei der Auslieferung der A380, durch die Unzufriedenheit der Kunden mit der geplanten A350, durch einen Rückgang bei den Orderzahlen (1. HJ 05: 276, 1. HJ 06: 117). Die Airbus-Mutter EADS wurde in den Strudel hineingezogen. Ihr Aktienkurs brach am 14. Juni um 26 Prozent ein, Co-CEO Noel Forgeard musste gehen und Airbus erhielt mit Christian Streiff einen neuen Chef als Nachfolger des Deutschen Gustav Humbert. Auch beim US-Mitbewerber Boeing läuft nicht alles rund (Fertigungsprobleme bei der neuen B787, geringe Nachfrage nach dem modifizierten Jumbo B747-8 etc.).

Für ein in die Krise geratenes Unternehmen kann eine Messe aus kommunikativer Sicht durchaus eine Chance sein. Mein Eindruck ist, dass Airbus und EADS das erkannt haben. Sie nutzen die Zeit bis zur Air Show mit dem Aussenden von Pressemitteilungen, mit Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen. Erst Anfang dieser Woche stellte sich Co-CEO Dr. Thomas Enders in Stuttgart den Fragen von Journalisten. Tenor seiner Aussagen: Ja, es wurden Fehler gemacht, aber die neue Führungsmannschaft wird alles daran setzen, um bald wieder aus den Turbulenzen heraus zu steuern.

Für Tom Enders ist Airbus jetzt Chefsache. Das kann man auch an den neuen Führungsstrukturen und Berichtswegen bei der EADS erkennen. So berichtet der Airbus-Chef fortan direkt an Enders (früher an seinen Co-CEO Forgeard). Auch um den für die EADS strategisch wichtigen AeroDef-Markt in den USA kann er sich nun noch intensiver kümmern: Der CEO von EADS North Amerika, Ralph D. Crosby, Jr., ist Enders nun unmittelbar zugeordnet. Airbus und EADS sollten sich wieder ihrem Kerngeschäft widmen und an ihre Erfolge anknüpfen können. Dazu wird das Management seine Zielgruppen (Aktionäre, Kunden, Medien, Mitarbeiter etc.) kontinuierlich davon überzeugen müssen, dass es alles tut, um die aktuelle Krise rasch zu überwinden. Mit intensiver, offener und glaubwürdiger Kommunikation u.a. im Umfeld der Luftfahrtmesse in Farnborough wird das gelingen.

Das Foto entstand übrigens im Mai auf der ILA 2006 und zeigt den CFO der EADS, Hans-Peter Ring, bei der Vorbereitung eines Auftritts im Fernsehsender Bloomberg TV.

Foto: Faust

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