Kaum Interesse am Papstbesuch im Social Web

Heute startet Papst Benedikt XVI., das Oberhaupt von 1,1 Milliarden Katholiken weltweit, seinen Deutschlandbesuch. Wie begleitet die katholische Kirche in Deutschland dieses Ereignis im Social Web? Eigentlich müsste es dort bei jungen Menschen auf große Resonanz stoßen, denn nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz engagieren sich von den 24,6 Millionen Katholiken hierzulande fast 440.000 als Ministranten, die zwischen acht und 18 Jahre alt sind. Etwa 660.000 Katholiken zwischen sieben und 28 Jahren sind im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mit seinen 17 Jugendorganisationen aktiv. Rund 370.000 Schülerinnen und Schüler gehen hierzulande in über 900 katholische Schulen. Und über eine halbe Million Kinder werden in fast 10.000 katholischen Tagesstätten betreut.

Geringe Resonanz auf offizieller Fanpage

Zentrales Informationsportal für den Papstbesuch ist die Website www.papst-in-deutschland.de. Sie wurde am 12. April 2011 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz extra für diesen Anlass gelauncht. Die dazugehörige Facebook-Fanpage hatte bis wenige Stunden vor Eintreffen von Papst Benedikt XVI. etwas mehr als 3.650 Fans. Angesichts des geschilderten Potentials ist das ein sehr geringer Wert. Es sind zudem etwa nur halb so viele Fans wie die deutsche Fanpage des Weltjugendtages gewinnen konnte (die offizielle spanische Fanseite von „Madrid 2011“ hatte über 83.000 Fürsprecher). Den Weltjugendtag feierten über eine Million Jugendliche vom 16. bis 21. August dieses Jahres mit Papst Benedikt XVI. in Madrid. Die vergleichsweise geringe Resonanz verwundert auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass auf die Papstbesuch-Fanpage nicht nur von der genannten Website, sondern auch von www.katholisch.de verlinkt wird.

So groß ist das Potenzial gar nicht

Die geringe Resonanz der offiziellen Papstbesuch-Fanpage ist aber auch darauf zurückzuführen, dass Gott und damit der Papst als nach katholischer Lehre sein Stellvertreter auf Erden nur noch für 44 Prozent der katholischen Jugendlichen wichtig ist. Das ergab die jüngste Shell-Studie. Eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach, die im Auftrag der Unternehmensberatung der katholischen Kirche MDG durchgeführt wurde, gibt eine weitere Erklärung: Demnach nutzen zwar 97 Prozent der Katholiken unter 30 Jahren das Internet, aber lediglich 32 Prozent von ihnen informieren sich dort über religiöse Themen. Und von diesem einen Drittel nutzen nur magere zwei Prozent häufig die Website der Deutschen Bischofskonferenz, vier Prozent tun dies gelegentlich, 13 Prozent selten.

Fazit

Die katholische Kirche als Institution nutzt den Besuch des Papstes in Deutschland und die sozialen Medien, um mit ihren Mitgliedern, Sympathisanten und Kritikern hierzulande in einen Dialog zu treten. Damit will sie auch den Dialogprozess zur Zukunft fortführen, den die Deutsche Bischofskonferenz im Juli in Mannheim gestarteten hat, und der bis 2015 dauern soll. Auf den deutschen Portalen, die für die Visite von Papst Benedikt XVI. relevant sind, ist die Dialogbereitschaft der Zielgruppen allerdings sehr verhalten. Ein Grund: junge Mitglieder und Sympathisanten nutzen die Social Media Angebote der katholischen Kirche (Kirche 2.0) vermutlich aufgrund einer Mischung von Unkenntnis und Desinteresse kaum. International stellt sich die Situation übrigens nicht wesentlich anders dar. So hat der 2005 eingerichtete englischsprachige YouTube-Account des Vatikans nur 34.000 Abonnenten (1.838 abonnierten die deutsche Version) und dem englischsprachigen Twitter-Kanal des Vatikans folgen weltweit 72.000 Menschen (1.424 folgen der deutschen Version).

Aber: Vielleicht steigt das Interesse im Social Web am Papstbesuch im Laufe der Visite noch an. Denn erst ab heute rückt Benedikt XVI. mit seinen Botschaften vor in der allgemeinen Berichterstattung und damit in den Fokus der Katholiken.

Foto: KNA-Bild

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