Interdisziplinäre Qualitätsoffensive fürs Social Web!

Blogger sind noch überwiegend Privatpersonen, die aus unterschiedlichen Beweggründen, aber ohne ökonomische Interessen Inhalte ins Internet stellen. Wird sich die Blogosphäre diese ursprüngliche Reinheit und Unabhängigkeit noch lange bewahren können?

Es deutet sich eine gegenteilige Entwicklung an. Denn die Zahl der Blogs und Blogger, die von ökonomischen Interessen geleitet sind, wächst: „Mommy Bloggers“ besprechen gegen Sach- und Geldleistungen Produkte in ihren Blogs, „Corporate Evangelists“ bloggen u.a. aus Gründen der Brand Awareness über firmennahe Themen, „Kult-Blogger“ engagieren sich gegen Rechnung für Marketingkampagnen großer Konzerne und Zeitungen bezahlen Blogger dafür, wenn sie sich als Journalisten betätigen und Nachrichten generieren. Die Kommerzialisierung der Blogosphäre scheint also unaufhaltsam.

Gleichzeitig bleiben PR-Schaffende auf Blogger angewiesen, um ihre Online-Zielgruppen nachhaltig erreichen zu können. Wie bei klassischen Medien treffen auch hier Interessen von Redaktion und Anzeigen aufeinander. Zum wichtigen und notwendigen Schutz der Nutzer vor einer Vermengung dieser Interessen (Schleichwerbung) greifen die bestehenden Regelungen der Pressegesetze sowie die Kodizes der einschlägigen Gremien wie dem Deutschen Rat für Public Relations. Weitergehende Initiativen für einen Verhaltenskodex für PR-Agenturen, Blogger, soziale Netzwerke und Unternehmen sind zu begrüßen. Bei Zuwiderhandlungen gegen das Gebot der Trennung von Redaktion und Anzeigen sind Sanktionen in Form von Geldstrafen oder öffentlichen Rügen sicherlich sinnvoll.

Ebenso wichtig wären aber sicherlich auch intensive Überlegungen zur Qualitätsbestimmung kommerzieller Blogs und Blogger. Hierzu müssten sich PR- und Journalisten-Verbände für eine interdisziplinäre Offensive zur Qualitätssicherung im Social Web an einen Tisch setzen. Denn beide Gruppen haben berechtige Interessen daran, dass kommerzielle Blogs und Blogger nachweislich die bestehenden Gesetze und Kodizes kennen und anwenden. Zur Qualitätsoffensive müsste im Übrigen auch eine Übereinkunft mit Plattform-Betreibern gehören, dass gefälschte Accounts schneller gelöscht werden können.

Eine solche interdisziplinäre Qualitätsoffensive fürs Social Web wäre sicher keine leichte Aufgabe, denn allein die Kriterien zur Abgrenzung kommerzieller von nicht-kommerziellen Blogs dürften nur sukzessive zu bestimmen sein. Aber es wäre eine lohnende Aufgabe. Denn wer jetzt nicht handelt, darf sich in ein paar Jahren nicht beschweren, dass die Kommunikation im Social Web aus dem Ruder gelaufen ist und kaum einer mehr überschaut, welche Informationsquellen darin echt oder getürkt, welche kommerziell gesteuert und welche Informationen (vermutlich) wahr oder falsch sind.

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