In der grünen Hölle des ZDF

Vor einigen Tagen hatte ich am Rande eines Termins beim ZDF Gelegenheit, einen Blick in die „grüne Hölle“ auf dem Lerchenberg zu werfen. Im dortigen Nachrichtenstudio N1, das nur mit einem speziellen Ausweis betreten werden kann, werden die aktuellen Nachrichtensendungen wie heute, heute Journal und Mittagsmagazin produziert. Seit meinem ersten Besuch des ZDF im Dezember 1992 (damals Treffen mit Bodo Hauser und Horst Werner von der Sendung Studio 1, der Vorgängersendung von Frontal mit Bodo Hauser & Ulrich Kienzle) wurde viel investiert in Mainz.

Die grüne Hölle

Zu den Neuerungen gehört eben auch die grüne Hölle. Das 700 Quadratmeter große Studio ist seit 2009 in Betrieb. Seinen inoffiziellen Namen verdankt es der für die Bildfreistellung notwendigen grünen Farbe an Wänden und Boden. Bekannt ist auch der elf Meter lange, 3-achsige Moderationstisch aus Nussbaumholz und Acrylglas (interne Bezeichnung „Karmener Kreuz“). Zwei Roboter, deren baugleiche Brüder am Bau der S-Klasse eingesetzt gewesen sein sollen, sind mit Kameras bestückt und werden über Mikrochips im Boden bzw. über ein lokales Positionierungssystem gesteuert. Rund 300 computergesteuerte Scheinwerfer sorgen für optimale Ausleuchtung für die grüne Hölle.

Nachrichtenstudio N1, die “grüne Hölle” des ZDF.

Nachrichtenstudio N1, die “grüne Hölle” des ZDF.

Der News-Highway

Damit Klaus Kleber und Gundula Gause, Marietta Slomka und Heinz Wolf, Petra Gerster, Matthias Fornoff und die anderen Moderatoren eine perfekte Sendung abliefern, benötigen sie ein gutes Team im Hintergrund. Dazu gehören sicher die Redakteure des News-Highways. Auf dieser Teamfläche mit zahlreichen Arbeitsplätzen werden zentral Themen erarbeitet für den Themenpool, aus dem alle Redaktionen schöpfen können. Auch das medienübergreifende Newsdesk mit der Redaktion von heute.de ist in den News-Highway eingebunden.

Die Teamfläche des News-Highways samt Newsdesk (rechts).

Die Teamfläche des News-Highways samt Newsdesk (rechts).

Der Regieraum

Ebenso wichtig für den Erfolg einer Sendung sind die Kollegen im Regieraum, er grenzt an die „grüne Hölle“. Markantes Merkmal dieser Kommandozentrale ist eine große Monitorwand, die sich Dank zahlreicher, im Hintergrund montierter Beamer in beliebig große oder kleine Bildschirmeinheiten unterteilen lässt. Zu sehen sind: Uhren, Vorschauen auf Filmberichte (heute noch MAZ genannt, auch wenn keine Magnetbänder mehr im Spiel sind) oder Nachrichten im Film (NiF), Schaltungen ins Studio (wo die Moderatorin oder der Moderator eventuell gerade geschminkt werden), Bilder vom laufenden Programm, Livestreams anderer Sender (z.B. CNN), Texte des Teleprompters. Auch die Bilder der fünf Kameras im Studio werden auf die Großbildwand übertragen. Vor und während einer Sendung sind die Verantwortlichen für Ton, Licht, MAZen, Kameras, Regie hoch konzentriert. Danach gibt es ein Debriefing, damit die Dinge beim nächsten Mal gegebenenfalls noch optimaler laufen.

Monitore in beliebiger Größe und Anordnung im Regieraum neben der “grünen Hölle”

Monitore in beliebiger Größe und Anordnung im Regieraum neben der “grünen Hölle”

Was man nicht sofort sieht, sind die Computer, die die 3D-Grafiken erstellen. Nur wegen ihrer Rechnerleistung ist es möglich, dass im Studio virtuelle Kulissen erscheinen, die sich den Kamerabewegungen und damit der sich ändernden Perspektive des Zuschauers anpassen. Das kann man etwa jeden Abend ab 21:45 Uhr beobachten, wenn Klaus Kleber oder Marietta Slomka in den so genannten Erklärraum treten (am linken hinteren Tischflügel). Übrigens: Damit es zu keinen Ausfällen der Computer kommt, gibt es für jeden Rechner ein Ersatz- oder Havarie-System. Sogar ein Havarie-Studio existiert auf dem Gelände. Und für alle Fälle haben die Techniker im Regieraum einen Notausknopf eingebaut. Darauf können die Zuschauer jedoch gerne verzichten.

Fotos: Faust

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