Ihre Ziele als Spin Doctor der katholischen Kirche?

Spin doctor katholisch

Die MDG Medien-Dienstleistung GmbH aus München führte kürzlich ein Interview mit mir über meine ersten 100 Tage als neuer Medienchef des Bistums Würzburg. Die Fragen stellte Diplom-Kaufmann Harald Kretzschmar. Das Interview wurde im aktuellen Newsletter der MDG veröffentlicht und ist hier mit freundlicher Genehmigung des Beratungsunternehmens nachzulesen.

MDG: Seit dem 1. April sind Sie Leiter des Medienhauses der Diözese Würzburg. Was stand im Mittelpunkt Ihrer ersten 100 Tage?

Dominik Faust: Zunächst galt es, ein möglichst umfassendes Bild zu gewinnen. Denn obwohl ich seit 20 Jahren in unterschiedlichen Managementfunktionen im Mediensektor tätig bin, ist jede Aufgabe individuell. Deshalb absolvierte ich anfangs kleine Internships in einigen Abteilungen und führte viele Einzelgespräche mit meinen über 70 hochqualifizierten Kolleginnen und Kollegen. Es folgten eine neue Meeting-Struktur, die Einführung von Software-Tools zum Ausbau der internen Kommunikation sowie die Analyse von Arbeitsprozessen, aus denen sich notwendige strukturelle Veränderungen ableiten lassen. Flankiert wird das Ganze durch die Erarbeitung eines Leitbildes für unser quattromediales Medienhaus, dem unter anderem die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie für das Bistum folgen wird.

MDG: Welche Ziele haben Sie als Spin Doctor des Bistums Würzburg?

Dominik Faust: Die katholische Kirche steht für einen Wertekanon, der unsere Gesellschaft bis heute prägt. Sie vermittelt ihn in Deutschland u.a. in über 11.000 Pfarreien, in fast 10.000 Tagesstätten, in denen rund eine halbe Million Kinder betreut werden, in über 900 Schulen und in rund 750 Erwachsenen-Bildungsstätten, die sie betreibt. In mehr als 25.000 Caritas-Einrichtungen leistet sie auf der Basis christlicher Nächstenliebe aktiv Hilfe. Diese Dinge werden von einer breiten Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Das will ich gemeinsam mit meinen Kollegen aus den übrigen Bistümern ändern. Es sollen wieder mehr Menschen der katholische Kirche vertrauen können. Sie soll die Meinungsführerschaft in sinnstiftenden Fragen gewinnen, und ihre fast 25 Millionen Mitglieder sollen aktive Fürsprecher für die gute Sache werden.

MDG: Worin bestehen für Sie die großen Herausforderungen der katholische Medienarbeit?

Dominik Faust: Kirche wird vor Ort lebendig und erfahrbar. Deshalb ist es sinnvoll, professionelle Kommunikation auf Bistumsebene zu betreiben. Im Sinne eines Cross Reputation Managements sollten dabei möglichst viele kirchliche Organisationen einbezogen werden. Dadurch entstehen Offenheit, Transparenz, Vertrauen. Das gilt es weiter zu intensivieren. Gleichzeitig muss die katholische Kirche ihre Kräfte deutschlandweit bündeln, um sich im wachsenden nationalen und internationalen Orchester sinnstiftender Anbieter weiter Gehör zu verschaffen. Für diesen Spagat zwischen notwendiger Kirchturm-Kommunikation und überdiözesaner Kommunikation müssen rasch Lösungen gefunden werden, die dem veränderten Medienverhalten der Zielgruppen entsprechen. Das ist eine große Herausforderung katholischer Medienarbeit der nächsten zwei bis drei Jahre.

MDG: Sie sind selbst seit Jahren sehr aktiv im Bereich der sozialen Medien. Welchen Stellenwert werden Twitter, Facebook oder andere Social Media für Ihre Arbeit haben?

Dominik Faust: Die Katholische Kirche will das Vertrauen der Menschen gewinnen. Dies entsteht am besten durch anhaltende Kommunikation mit ihnen. Das wusste schon Paulus, der eifrig Briefe an seine Zielgruppen schrieb. Heutzutage werden Dialoge in weltumspannenden sozialen Netzwerken geführt. Dort müssen Organisationen ihre Zielgruppen abholen und mit ihnen kommunizieren. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass sie die Deutungshoheit über ihre Themen in den (sozialen) Medien global zur Diskussion stellen. Es gilt, den Markenkern herauszustellen, ihn verständlich zu machen, argumentativ zu rechtfertigen. Sich darauf einzulassen, ist eine weitere große Herausforderung, der sich die katholische Kirche stellen muss – lokal und global.

MDG: Ihr liebster Facebook-Beitrag oder Tweet in der jüngsten Zeit?

Dominik Faust: Ein Pinwand-Foto der Facebook-Seite „Nein, Stil ist nicht das Ende des Besens“

MDG: Vielen Dank für das Interview!

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