Haben sich die Medientage München bald überlebt?

Medientage

Die drei Medientage München im Internationalen Congress Center München (ICM) der Messe München wollen jedes Jahr mit Programm gefüllt sein. Die Medientage München GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), hatte sich auch für 2013 wieder zahlreiche Veranstaltungen ausgedacht. Zu den Höhepunkten zählten sicher die hochrangig besetzten Diskussionen wie etwa der Content-Gipfel. Die große Herausforderung besteht seit der Gründung durch Wolf-Dieter Ring und Edmund Stoiber im Jahre 1987 darin, Angebote für möglichst viele Medienverantwortliche zu schaffen. Doch man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Medientage ihrem Anspruch, „Europas größter Medienkongress“ zu sein, immer weniger gerecht werden können. Denn es gibt längst Kongresse wie die DLD-Konferenz der Hubert Burda Media Holding in München oder die re:publica in Berlin oder die Internet World, die viel zukunftsorientierter sind als die Medientage.

Medientage Europas größter Medienkongress?

Zugegeben: Es ist immer schwer, Konferenzen mit verschiedenen Konzepten und Zielgruppen zu vergleichen. Aber wenn auf „Europas größtem Medienkongress“ im Jahre 2013 immer noch das Internet mit so leeren Worten wie „Online Inhalte […] sind immer und überall nutzbar“ (Abschlusspressemitteilung) erklärt wird, und wenn fast zehn Jahre nach dem Start von Facebook in einem Panel noch die Frage „Wer hat Angst vor Social Media?“ diskutiert wird, dann sind das deutlich Anzeichen dafür, dass die Medientage München den Anschluss zu verpassen drohen. Das kann man allerdings auch von so manchen Teilnehmern sagen. Etwa, wenn gestandene Medienverantwortliche im Panel „Achtung Shitstorm!“ fragen, wie man denn richtig auf kritische Kommentare von Facebook-Nutzern reagiert. Sollte vergleichbarer Wissensstand auch in Zukunft intensiv auf den Medientagen München angesprochen werden, dürfte mittelfristig das Superlativ „Europas größter“ ernsthaft gefährdet sein.

Ursprünglicher Ansatz wäre wieder modern

Ursprüngliche Idee der Medientage München war es, Vertreter der damals neu geschaffenen privaten Fernseh- und Hörfunkanbieter in Bayern mit Vertretern von Verlagen und öffentlich-rechtlichen Anstalten zusammen zu bringen. Da die Grenzen zwischen Internet, TV, Radio und Print immer weiter verschwimmen, ist dieser Ansatz heute wieder modern. Dies können sich die Macher der Medientage München zu Nutze machen. Allerdings sollten sich die Bayerische Staatskanzlei und die BLM ernsthaft Gedanken über Zielgruppen und Inhalte sowie über das Profil dieses Kongresses im Vergleich zu anderen Medienkongressen machen. Dabei wären sicher auch die jährlichen  Lokalrundfunktage in Nürnberg einzubeziehen. In ihrer tradierten Form jedenfalls könnten sich die Medientage München bald überlebt haben.

Mit den Medientagen München 2013 beschäftigten sich u.a. übrigens auch:

Foto: Faust

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.