Erinnerung an einen Oldtimer in spe

Am vergangenen Wochenende machte die Oldtimer-Rallye Sachs Franken Classic Station auf dem Vogel-Campus in Würzburg. Der Grund: Vogel Business Media (VBM) feiert heuer seinen 125. Geburtstag. Als ich dort Gelegenheit hatte, eine Runde mit dem Opel GT des VBM-Kommunikationschefs Dr. Gunther Schunk zu drehen (Titelbild), erinnerte ich mich an meine früheren Autos, die heute auch tolle Oldtimer wären. Meine aktive Autozeit startete 1984 als ich mit 17 Jahren meinen Führerschein machte. Anders als heute möglich, bekam ich den grauen Lappen allerdings erst an meinem 18. Geburtstag ausgehändigt. Mein erstes Auto war dann ein Golf 1. Generation, Baujahr 1979. Er hatte eine ähnliche Farbe wie der Opel GT.

Der 50 PS starke Volkswagen Diesel mit einer 1,5 Liter Hubraum-Maschine war ein Fahrschulauto. Etliche Erwachsene rieten mir aus diesem Grund vom Kauf ab. Sie sorgten sich vor allem um die Kupplung. Doch ich wollte den orangefarbenen Flitzer mit seinem Schiebedach (!), seinen vier Türen (!) und – ja und mit seinen zwei Außenspiegeln (war damals keine Selbstverständlichkeit!) unbedingt haben. 125.000 Kilometer hatte er schon auf dem Buckel, überwiegend natürlich im Stadtverkehr zurückgelegt. Weil er außerdem kaum (sichtbaren) Rost hatte, der Verkäufer ein Schulfreund von mir war und er mir noch neue Reifen aufzog, zahlte ich die 4.000 DM schließlich. Der Liter Diesel kostete damals 99 Pfennige. Mein Golf 1. Generation verbrauchte rund sechs davon – bei mäßiger Fahrweise.

Sound mit Nachtdesign

Natürlich musste mein erstes Auto auch einen guten Sound haben. So tauschte ich sehr bald das serienmäßige Radio gegen eine Vollstereo-Kombination (22 Watt) unter anderem mit LCD-Multi-Display, Senderdurchsagekennung (SDK) und – ganz wichtig – mit Voll-Nachtdesign. Weil das für ein ordentliches Klangbild auf vier Rädern noch nicht genügte, ergänzte ich das Audiosystem um einen Computer-Equalizer von Sanyo mit stolzen 200 Watt. Auch hier war das Nachtdesign der Hit. Zur Geltung kam die Anlage natürlich nur mit den entsprechenden Speakern in der Hutablage und den Türen. Die Verkleidungen im Golf 1. Generation waren relativ einfach zu entfernen, sodass ich die Kabel gut verlegen konnte. Übrigens hatte mein Golf LD keine Mittelkonsole. Der Schalthebel ragte etwas unvermittelt aus dem Boden und wirkte für mich verloren so ganz ohne Verbindung zum Armaturenbrett. Das konnte ich so nicht lassen, zumal ich keinen Platz für alle Elemente der Sound-Anlage hatte. So konstruierte ich eine Mittelkonsole aus Holz.

US-Look ohne Chrom

Nach relativ kurzer Zeit fielen mir dann einige Dinge am Golf 1. Generation auf, die ich für optimierbar hielt. So war ich davon überzeugt, dass der serienmäßige Chromrahmen im Kühlergrill ebenso überflüssig war wie die Chromleisten in den Stoßstangen und das chromfarbene VW-Markenzeichen. Indem ich diese Dinge entfernte bzw. schwarz lackierte, näherte ich mich optisch dem Golf I der frühen 80er Jahre an. Außerdem wollte ich der organgenen Grundfarbe möglichst viel Kontrast in schwarz entgegensetzen. Das gelang neben den genannten Veränderungen an der Frontpartie (inkl. Nebelleuchten auf der Stoßstange) mit einem dunklen Windschutz am Schiebedach, mit Schmutzfängern an den Hinterreifen (nein, das war nicht uncool, sondern verbreiterte das Heck optisch) sowie mit Sonnenschutz-Rollos in der Heckscheibe. Da ich amerikanische Versionen des Golf, die damals häufig in Deutschland herum fuhren, cool fand, klebte ich seitlich noch rote (hinten) und gelbe (vorne) Reflektoren an. Ob das der TÜV genehmigte, weiß ich heute nicht mehr.

Zerlegen der Karosserie

Natürlich entdeckte ich irgendwann auch Rost an meinem Auto. Schrecklich! Eines Tages blies ich zum Angriff und zerlegte die Karosserie des Golf 1. Generation. Dazu baute ich beide vorderen Kotflügel aus, reinigte, spachtelte und modellierte die Radläufe und strich sie schließlich dick mit Unterbodenschutz ein. Der linke Kotflügel hatte es besonders nötig. Denn in ihm steckte die Antenne nur solange, wie das rostende Antennen-Loch kleiner als die Antennen-Halterung war. Für die Grundierungs- und Lackierungsarbeiten durfte ich den Garten meiner geduldigen Eltern nutzen. Die Stahlfelgen mussten ebenfalls entrostet werden. Dicke Schichten Silberchrom und Klarlack sollten sowohl die Haltbarkeit als auch die schlichte Alu-Optik der Räder langfristig sichern. Zum US-Look gehörte dann noch, dass ich die Markennamen der Reifen mit weißem Spezialstift nachzog: Dunlop.

Golf 1. Generation als Oldtimer

Hätte ich meinen Golf behalten und die letzten 30 Jahre so gepflegt wie damals, hätte ich heute die Basis für einen schönen Oldtimer. So habe ich ihn jedoch verkauft, als ich für einige Monate in die USA reiste. Immerhin 3.800 DM habe ich dafür noch bekommen. Aber in Amerika hat mich die Autobegeisterung nicht losgelassen. Dort kaufte ich einen kaputten Ford Fairmont vom Schrottplatz, zerlegte die Sechszylinder-Maschine, brachte sie wieder zum Laufen und ging mit dem guten Stück auf große Fahrt von Texas nach Kalifornien. Das ist aber wieder eine andere Geschichte.

Fotos: Faust, Titelbild: Gerald Kay

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