Die drei Dimensionen der Crossmedialität

Die medienübergreifende Kommunikation interessiert mich seit den 80er Jahren. Damals hatte ich einen Commodore C64 und war fasziniert von der Möglichkeit, mich mittels Akustikkoppler mit dem Rechner meines Patenonkels über hunderte Kilometer hinweg zu verbinden (Code-Namen „Sam“ und „Eddie“). Das war noch vor der Entwicklung des World Wide Web. Damals unternahm ich meine ersten crossmedialen Schritte in der privaten Kommunikation über Print (Briefe), Telefon und Computer. Heute berate ich Organisationen hinsichtlich des sinnvollen Einsatzes und der Verknüpfung von Medien aller Art. Erst in der vergangenen Woche konnte ich einen crossmedialen Workshop mit Redakteuren eines Medienhauses durchführen, das über eine Print-, eine Fernseh-, eine Radio- und eine Internetredaktion verfügt.

Für mich hat Crossmedialität drei Dimensionen:

  1. Die erste Dimension ist die Multi Channel Communication (MCC). Das ist beinahe trivial, denn Crossmedialität setzt Multimedialität zwingend voraus. Dennoch ist es wichtig, sich dieser Dimension bewusst zu sein, denn ich erlebe durchaus, dass etwas als crossmedial bezeichnet wird, was sich bei näherem Hinsehen als multimedial, also parallel und mithin nicht vernetzt herausstellt.
  2. Die zweite Dimension ist die Cross Channel Communication (CCC), also die Vernetzung der Kanäle Print, Radio, TV und Web. Zu den Vorteilen zählt, dass Zielgruppen (z.B. TV-Zuschauer) auf zusätzliche Informationen (z.B. in Printprodukten oder im Web) aufmerksam, und diese Kanäle wiederum neuen Zielgruppen zugänglich gemacht werden können – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf Geschäftsmodelle. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Redakteure für andere Medien mitarbeiten können (Stichwort „Videojournalist“ bzw. „VJ“), was sowohl die Effektivität als auch die Effizienz medialer Arbeit verbessern kann. Dies setzt allerdings die Bereitschaft und Fähigkeit voraus, für die Bedürfnisse aller Kanäle mitzudenken und einen Teamgeist zu entwickeln.
  3. Die dritte Dimension ist erst mit dem Aufkommen der sozialen Medien entstanden, nämlich die Cross & Social Channel Communication (CSCC). Es ist dies die Verlängerung der Cross Channel Communication in die sozialen Netzwerke. Dabei handelt es sich nach meiner festen Überzeugung um mehr als nur die Hinzunahme weiterer Kommunikationskanäle wie Facebook, Twitter oder YouTube. Vielmehr ist dies deshalb eine neue, eine dritte Dimension von Crossmedialität, weil sie Interaktion bzw. Partizipation der Zielgruppen ermöglicht. Genau das ist auch ihr wichtigster Vorteil. Gleichzeitig schafft die CSCC mehr Transparenz und fördert die Glaubwürdigkeit.

Ich bin sicher, dass die Cross & Social Channel Communication in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung für Medienschaffende gewinnen wird. Das gilt übrigens auch für die eingangs erwähnte private Kommunikation, deren Entwicklung ich vom C64 und Btx bis hin zu Social Media stets aktiv und mit großer Begeisterung für die darin liegenden Möglichkeiten mitgemacht habe.

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