EADS: Der Zeit zu weit voraus?

EADS

Was in der Politik nicht funktioniert, kann auch in Unternehmen nicht funktionieren, in denen die Politik eine maßgebliche Rolle spielt. Was ich meine? Die Rede ist von Parallelen zwischen der EU und der EADS bzw. Airbus. Die EU ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Nationalstaaten, die auf bestimmten Gebieten ihre Souveränität zugunsten einer europäischen Zuständigkeit aufgegeben haben (z.B. Währung). Dennoch müssen europäische Interessen oft genug hinter nationalen Interessen zurück treten. So sei nur daran erinnert, dass etliche EU-Mitgliedsstaaten die EURO-Stabilitätskriterien nicht erfüllen bzw. erfüllten, weil nationale Haushalts-Interessen dagegen stehen bzw. standen.

EADS steht unter nationalen Einflüssen

Ähnlich ist es bei der EADS. Das oberste Ziel der multinationalen Konzerngründung im Jahre 2000 war es, die europäische AeroDef-Kompetenz zu bündeln, um im globalisierten Wettbewerb besser bestehen zu können. An sich eine gute Idee! Aber nationale Interessen – insbesondere der großen “EADS-Nationen” Deutschland und Frankreich – spielten von Beginn an eine große Rolle in dem neuen Konstrukt. So können Daten/Informationen, die für die militärische Sicherheit einer “EADS-Nation” von überragender Bedeutung sind, den anderen Partnern vorenthalten werden (Stichwort “Nuklearstreitmacht Frankreich”). Hinzu kommt, dass die beiden großen Partner bei der Besetzung von Führungspositionen streng auf Proporz achteten. Auch wenn sich das seit einiger Zeit etwas gelockert hat, und Kompetenz vor Proporz gehen soll, zeigt allein die EADS-Doppelspitze, dass keine der beiden Seiten ihren nationalen Einfluss reduzieren oder gar aufgeben möchte.

Kein echtes europäisches Aerodef-Unternehmen

Das ist sogar nachvollziehbar. Denn es gibt durchaus gute Gründe dafür, dass sich Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten, die ihre hoheitliche Aufgabe der Verteidigung noch nicht an den Staatenverbund EU abgetreten haben, Einfluss auf jene Industriesparten in ihren Ländern sichern, die sie für ihre Verteidigungsaufgabe benötigen. Dazu gehört in erheblichem Maße eben auch die Luft- und Raumfahrtindustrie mit ihren darin verwobenen wehrtechnischen Komponenten.

Aus diesem Grund braucht ein europäisches AeroDef-Unternehmen mindestens eine echte und umfassende Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP). Erst dann kann es wie ein „normales“ Unternehmen weitgehend frei von nationalem politischen Einfluss agieren. Diese echte und umfassende ESVP wird es jedoch aus unterschiedlichen Gründen auf absehbare Zeit nicht geben. Insofern ist ein europäisches AeroDef-Unternehmen eigentlich noch nicht zeitgemäß. Die heutige Drohung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der Airbus-Mutter EADS notfalls Rüstungsaufträge zu entziehen, wenn hierzulande Airbus-Arbeitsplätze abgebaut werden sollten, bestätigt dies noch einmal.

Man kann dem weltweit führenden Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und im dazugehörigen Dienstleistungsbereich nur wünschen, dass bald wieder Ruhe einkehrt an der politischen Front, damit es sich wieder voll auf seine herausragenden Hightech-Kompetenzen konzentrieren kann.

Foto: Faust

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