ZDFonline: „ZDF produziert Scheiße“

ZDF produziert Scheiße

Es ist Samstagabend und Primetime im Fernsehen. Im ZDF schaue ich „Wetten, dass ..?“ mit Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker (Gäste u.a. Lena Meyer-Landrut, Denzel Washington und Matthias Schweighöfer) und gebe via Twitter Kommentare zur Sendung ab. Ebenfalls über Twitter begleitet @ZDFonline das Geschehen, die Online-Redaktion des Zweiten Deutschen Fernsehens. Doch wer crossmediales Ziehen von Fernsehredaktion und Online-Redaktion an einem Strang erwartet hat, wird überrascht: Während der Sendung geht die Online-Redaktion auf Distanz zur Fernsehredaktion und twittert schon mal: „Wir fanden die Wette komisch“.

Online auf Distanz zu TV-Redaktion

Gegen 22:30 Uhr tritt die Blue Man Group auf. Im Rahmen des Acts werden über das Publikum in Hannover lange weiße Papierstreifen gestreut. Die Online-Redaktion des ZDF tauscht sich auf Twitter unter dem Account @ZDFonline gerade freundlich mit @sat1TV und @ProSieben aus. RTL gehört nicht zu dieser kollegialen Runde.

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Aber die Online-Redaktion des ZDF schaut offenbar parallel die Sendung „Das Supertalent“ mit Dieter Bohlen auf RTL. Das ermuntert einen Mitarbeiter der ZDF-Online-Redaktion angesichts der weißen Papierstreifen in der Hannover-Halle zu diesem Tweet: „Das Klopapier war von RTL, dort wird mehr Scheiße produziert als bei uns.“

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Das ZDF produziert Scheiße

Ich traue meinen Augen nicht: Die Online-Redaktion des ZDF hat soeben während des Quotenschlagers „Wetten, dass..?“ im Klartext getwittert, dass das eigene Unternehmen „Scheiße produziert“ (wenngleich nicht ganz so viel wie die Konkurrenz von RTL). Das ZDF produziert Scheiße?

In jedem seriösen Unternehmen, das sich strategisch vorbereitet in sozialen Netzwerken tummelt, wäre solch ein Tweet sehr wahrscheinlich ein klarer Verstoß gegen bestehende Social Media Richtlinien gewesen. Daher stelle ich umgehend die Frage an @ZDFonline, ob es beim ZDF Social Media Guidelines gibt. Das fasst die Online-Redaktion offenbar zunächst als Witz auf, denn sie antwortet mir: „Die Frage war ironisch gemeint oder?“. Nein, war sie nicht, schreibe ich zurück. Daraufhin fasst das ZDF seine Social Media Richtlinien in einem Satz zusammen: „Es sollte nicht persönlich werden, aber sonst ist viel erlaubt.“ So ist es also auch erlaubt, dass das ZDF twittert, das ZDF produziert Scheiße.

 

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Fotos: Faust

Update vom 09.11.2010:

Mit 8,4 Millionen Zuschauern fuhr das ZDF an diesem Samstagabend den Sieg gegen RTL ein, berichtet BILD.

3 Comments

  • Hallo Dominik,
    ich glaube, dass am Samstag abend ein gewisser Schlendrian bei der Online-redaktion des ZDF eingetreten ist. Das ist doch ein unglaublicher Vorgang! Man darf ja über „Wetten dass…“ und vor allem die letzte Sendung denken was man will, aber die Aussage, dass das eigene Unternehmen “Scheiße produziert” finde ich hammerhart. Prädikat: geht gar nicht! Walter

    • @Walter
      Da stimme ich Dir voll zu. Aber wie ist das zu erklären? Offensichtlich wird beim ZDF gerade viel experimentiert.

      Das eine Beispiel hatten wir gerade: Redakteure (oder Freie) gehen mit dem iPad auf die Couch und bemühen sich um besondere Coolness beim Twittern. Ziel: Dem verstaubten Image durch den Einsatz von Social Media entgegenzuwirken. Regeln? „Es ist viel erlaubt.“ Grenzen des guten Geschmacks und der Unternehmenskommunikation werden da schon mal (bewusst?) überschritten.

      Ein anderes, unter dem Aspekt der Qualität besseres Beispiel, lieferte das ZDF in den vergangenen Tagen in Form des twitternden Reporters (@ReporterZDF). Es war „der 1. Versuch“ des Senders, via Twitter Liveberichte von aktuellen Nachrichten-Brennpunkten zu liefern. Konkret ging es um den #Castor Transport. Dieses Beispiel ist gelungen.

      Vielleicht erfahren wir irgendwann einmal, welche Strategie das ZDF bei seinen neuen Social Media Aktivitäten verfolgt. Spielraum für „trial and error“ scheinen die Verantwortlichen jedenfalls fest eingeplant zu haben.

      • Walter Sauter sagt:

        @Dominik
        Ich glaube, das ist nicht nur beim ZDF so. Die Methode „try & error“ hat nach meiner Beobachtung bei etlichen Auftritten fast schon System. Man versucht halt mal was, um dabei zu sein, um den Hype nicht zu versäumen. Dabei übersehen die meisten, dass die sozialen Medien schon längst über das Versuchsstadium hinaus gegangen sind. Aber da es in vielen Bereichen kaum Entscheider gibt, die dort aktiv mitmischen, wissen sie zu wenig darüber und deshalb …
        Den @ReporterZDF habe ich mir mal angesehen, finde ich sehr eindrucksvoll. Auch das Echo bei twiter ist fast durch die Bank positiv. Da sieht man, was mit einem guten Konzept geht. Danke für den Hinweis. Werde ich in unsere internen Debatten zu diesem Thema einbringen.

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