10 Jahre Postreform und Deutsche Telekom

Vor genau zehn Jahren, im Januar 1995, ist die Deutsche Telekom AG aus der früheren Deutschen Bundespost Telekom entstanden. Die Entscheidung darüber fiel bereits im Sommer des Vorjahres, als die Postreform II beschlossen wurde. Maßgeblicher Treiber war der letzte Bundesminister für Post und Telekommunikation der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Wolfgang Bötsch (Foto). Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl berief den Würzburger Bundestagsabgeordneten der CSU im Januar 1993 in dieses Amt. Der Jurist und erfahrene Politiker sollte die Privatisierung der Deutschen Bundespost (DPB) weiter vorantreiben. Bötsch hatte bereits in der Endphase der 1. Stufe der Postreform für die CSU mit dem damaligen Postminister Dr. Christian Schwarz-Schilling verhandelt und war daher mit dem Thema vertraut.

Die 2. Stufe der Postreform sah vor, die im Rahmen der 1. Stufe 1989 aufgestellten drei öffentlichen DBP-Unternehmen zu privatisieren. So entstand aus der DBP Postdienst („gelbe Post“) die Deutsche Post AG, aus der DBP Telekom („graue Post“) wurde die Deutsche Telekom AG und aus der DBP Postbank („blaue Post“) wurde die Deutsche Postbank AG. Mit der erfolgreichen Privatisierung der Deutschen Bundespost wurde das Bundesministerium für Post und Telekommunikation (BMPT) überflüssig. So gehörte dessen Auflösung zum 31. Dezember 1997 sowie das Etablieren der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP)  als die 3. und letzte Stufe der Postreform zu den letzten großen Aufgabe des Ministers.

In seiner fünfjährigen Amtszeit hatte ich als Journalist mehrmals Gelegenheit, Postminister Bötsch zu begleiten und ausführliche Interviews mit ihm zu führen. So erinnere ich mich zum Beispiel an ein besonderes Medien-Event am Freitag, 5. Februar 1993. Bötsch hatte Journalisten aus ganz Deutschland zu einer nächtlichen Fahrt mit dem Postzug nach Hannover eingeladen. In dieser Nacht gab er mir, kaum 14 Tage im Amt, sein erstes großes Interview über seine Ziele. Im Juli 1994 flog ich mit ihm nach Rostock-Laage in Mecklenburg-Vorpommern, wo er mir ein Interview über die Zukunft der Telekom gab. Am 4. Dezember 1997 traf ich ein letztes Mal mit Bötsch als Minister zusammen. Ich begleitete ihn für eine Reportage einen Tag lang in seinem Büro in Bonn, wo auch das Foto entstand. Er hatte noch 13 Arbeitstage vor sich, bevor er am 17. Dezember seine Entlassungsurkunde ausgehändigt bekam.

Happy Birthday Deutsche Telekom!

Foto: Faust

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